Der Atem des Krieges am Omaha Beach

Beklemmend und friedvoll lag dieser riesige Strand das erste Mal unter meinen Füßen. Die Ebbe war in vollem Gang, sodass das Meer weit draußen grau schimmerte. Kilometerlang erstreckte sich das trübe Gelb des Sandes. Es war ruhig. Nur der Wind strich seine Runden entlang der Bucht. Und doch vernahm ich in meinen Gedanken das Schreien, das Flehen der Soldaten. Ich hörte das Knallen von Kanonenfeuern und Gewehren – oder stellte es mir vor. Denn ich habe das Privileg bisher in meinem Leben niemals etwas solch Schreckliches erlebt zu haben. Doch hier konnte ich ihn spüren, den Schmerz. Den Schmerz den tausende Soldaten erlitten, während sie vor mehr als 80 Jahren an diesem Strand landeten, um einen Kontinent zu befreien, der nicht einmal ihr eigener war.

Am 9. Juni 1944 landeten mehrere tausend amerikanische Soldaten in der Normandie am Omaha Beach. Er war nur einer von fünf Landungsstränden, der den Alliierten einen Weg nach Frankreich und damit nach Europa ermöglichte. Aufgrund seiner enormen Größe während der Ebbe-Phasen und der damit verbundenen ausgeklügelten Abwehr-Technik der Deutschen, war dieser Strandabschnitt der Tödlichste. In den hiesigen Museen schwankt die Zahl der Todesopfer allein am Omaha Beach zwischen 2.000 und 3.000. Rund die Hälfte der dortigen Streitkräfte kamen ums Leben, bevor sie überhaupt den Strandabschnitt überquert hatten.

Diese Stille der Trauer hängt noch heute über diesem so wunderschönen Strand. Wer seinen Gedanken davonlaufen und zugleich das Schauspiel des normannischen Wetters bewundern möchte, der ist hier genau richtig. Umso länger man seine Füße in diesen Sand steckt, um so mehr kann man die bösen Gedanken an das was war, vergessen. Es ist ein bisschen so, als würde das Meer die Wunden wegspülen und trösten, die Vergänglichkeit zeigen und deutlich machen, wie schön und wichtig der Moment sein kann, in dem man gerade steckt.

Heute ist der Omaha Beach ein ruhiges Fleckchen Erde, an dessen Rändern nur eine schmale Straße entlang verläuft und vereinzelt ein paar kleine Häuser stehen. Diese gehören Einheimischen oder dienen als beschauliches Feriendomizil. Es ist ein Ort geworden, an dem man inne hält, wenn man vor den unterschiedlichen Denkmälern steht. Doch gleichermaßen lädt er dazu ein, das Wetter und speziell den Sommer zu genießen. Denn scheint der Himmel blau, ist es einer der schönsten Strände, die ich je in meinem Leben gesehen habe.

D-Day im Podcast

Mehr zum D-Day und meiner Reise in die Normandie habe ich im Podcast erzählt.

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