Der Tag bricht an: Ein Rückblick auf Haymitchs Geschichte

Bewertung: 5 von 5.

Der Tag bricht an by Suzanne Collins

Es ist wie ein Puzzleteil, von dem man eigentlich gar nicht wusste, dass es fehlt. Mit „Der Tag bricht an“ hat Suzanne Collins viele altbekannte Figuren „zurückgeholt“. 24 Jahre vor Katniss und Peeta musste ihr Mentor Haymitch während eines Jubel-Jubiläums in die Arena. Wir lernen ihn, aber auch viele andere wie Wiress, Mags, Beetee, Plutarch und Effie besser kennen – und auch verstehen. Ich habe mich über jedes Wiedersehen gefreut und auch darüber, wie liebevoll Suzanne Collins ihren Figuren Leben einhaucht.

Sicherlich gibt es in der grundlegenden Handlung in der ACHTUNG SPOILER das Vorgehen während der Hungerspiele (Ernte, Parade, Training, Interviews, Einzug in die Arena) geschildert werden, nicht viel Neues zu entdecken. Die Abläufe waren spätestens zum 50. Jubel-Jubiläum ähnlich professionell vorbereitet, wie später bei Katniss und Peeta. Auch im eigentlichen Kampf in der Arena gibt es Parallelen. Der Karrierero Panache erinnert sehr an den späteren Cato, statt Ruth gibt es ein kleines ziemlich wehrloses und doch super herzerwärmendes Mädchen namens Wellie. Die Arena wirkt mit ihrer Wiese und dem Wald der von „Tödliche Spiele“ sehr ähnlich. Aber dennoch zieht auch dieser Band in seinen Bann. Vielleicht ist man des Öfteren weniger schockiert, über das was passiert, weil man – wenn man die anderen Bücher gelesen hat – vorbereitet ist auf die schonungslose Tragik einer Welt, die von Wut regiert wird. Doch die Spannung trägt genauso durch die Seiten und macht es schwer, das Buch wegzulegen. Ich wusste, wie Haymitch als Mentor drauf ist, wie sehr er leidet. Also konnte ich mir denken, wie dieses Buch ausgehen wird. Trotzdem war da immer wieder diese Hoffnung, dass es doch noch „gut“ wird. Der junge Haymitch ist so frisch und naiv, ein wenig charismatisch und einfach ein guter Mensch, der auf sein Herz hört. Es ist unglaublich traurig zu sehen, wie sich dieser liebevolle Mensch mit jedem Abschnitt der Hungerspiele verändert, leidet und spätestens nach seiner Rückkehr den Glauben an das Gute verliert. Selbst seine Freunde Blair, Burdock und Asterid (die letzen beiden sind Katniss Eltern) können ihm nicht mehr helfen.

Alles in allem werden viele Fragen beantwortet, die ich mir beim Lesen der Hungerspiele von Katniss und Peeta bewusst, aber vor allem auch unbewusst gestellt habe. Warum sind die Menschen, die das so viele Jahre schon erleben so geworden wie sie sind? Warum hat niemand in den letzten 20 Jahren etwas dagegen getan? Wie können alle einfach so weiter machen? Darüber hinaus rückt die Vertuschung von Tatsachen durch das Kapitol mehr denn je in den Fokus und lässt mich als Leserin vermehrt über das Wort „Fake News“ in unserer eigenen Gesellschaft nachdenken. Es hinterlässt dieses erschreckende Gefühl von Manipulation und Machtlosigkeit, sodass man entweder wachsam bleibt oder untergeht.



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