Für Gerechtigkeit in Südamerika

Vor rund 30 Jahren wurde in Costa Rica eine Organisation namens Voces Nuestras von Frauen gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat eine breitere, objektivere Nachrichtenvielfalt zu generieren. Sie setzt sich für das Recht auf Kommunikation ein – und das auf der Grundlage von Vielfalt und kultureller Pluralität. Auch im 21. Jahrhundert ist diese Mission von essentieller Bedeutung. Denn, die großen Medien würden in keiner Art und Weise kritisch berichten, erklärt mir Jule im Podcast-Interview. „Sie stützen die Politik des Landes, die eine sehr neoliberale Politik ist, machen sehr konservative Nachrichten und haben sexistische und rassistische Bilder, die reproduziert werden.“

„Es gibt ein Recht auf Kommunikation und Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Kommunikation bedeutet Austausch.“

Jule war 23, als sie nach dem Abschluss ihres Bachelors die Entscheidung traf mit „Brot für die Welt“ nach Costa Rica zu gehen. Voces Nuestras produziert eine Radiosendung, bei der Unterstützung benötigt wurde. Es war eine für sie unglaublich prägende Zeit. „Mir hat das Jahr unglaublich geholfen, aus meiner bisherigen Weltsicht herauszutreten“, erklärt sie. Mit bestimmten Stereotypen im Kopf reiste sie nach Zentralamerika und wurde mit der Realität mächtig konfrontiert. „Es war für mich super spannend einfach mal andere Perspektiven zu hören und zu schauen, was andere Lebensrealtiäten sind.“

Hinzu kam die gesamte Radioproduktion. Davon hatte sie im Vorfeld nämlich keine Ahnung. Somit eröffnete sich ein recht buntes Leben aus learning-by-doing und spannenden Menschen gespickt von den typisch südamerikanischen Rythmen. In dieser Zeit beschäftigte sie sich verstärkt mit Frauenrechten und Indigenrechten, bekam aber auch Einblicke in umweltpolitische Themen.

„Ich glaube, dass der Kampf um Frauenrechte nach wie vor ein globales Problem ist.“

Der Kampf um Gerechtigkeit in Südamerika beschäftigt sie seitdem unaufhaltsam. Daher engagiert sie sich auch für den Nachrichtenpool Lateinamerika, eine Plattform, die Nachrichten von diesem Teil der Welt in deutsch aufbereitet. Seit ihrer ersten Reise nach Costa Rica 2016 ist Jule in den folgenden Jahren immer wieder in dieser Ecke des Kontinents unterwegs. Sie hat, wie sie selbst auch bestätigt, einen Teil ihres Herzens dort gelassen. Bevor die Coronakrise ausbrach flog sie Anfang März noch nach Chile. Auf dem Plan stand eigentlich eine längere Reise. Der Virus machte dem allerdings einen Strich durch die Rechnung. Dennoch bekam sie die Möglichkeit zum Internationalen Frauentag an einer Demonstration mit knapp einer Million Menchen teilzunehmen. Was sie dort erlebt hat, war ein unglaublich toller, lebhafter und friedlicher Prostest. Eine Zusammenfassung dazu ist demnächst auf www.npla.de zu finden.

Ich habe sie gefragt, ob sie durch die Erlebnisse und Erfahrungen in Südamerika ihr Leben in Deutschland anders reflektiert. In ihren Antworten beschrieb sie mir eine Art Genügsamkeit und das Bedürfniss mehr zu hinterfragen: „Wenn ich mich über Dinge ärgere, die so nichtig sind, dann gehe ich manchmal einen Schritt zurück und frage mich, was gerade meine Problem ist oder ob ich überhaupt tatsächlich eins habe.“ Sie erkennt die Privilegien, die wir in Deutschland haben viel mehr, sieht aber auch Dinge wie das verschwenderische Konsumverhalten stärker. Dann ist es ihr Gerechtigkeitssinn der zum Tragen kommt und die enorme Reichweite von solch riskantem Verhalten ziemlich schnell ausmacht. So hängen zum Beispiel an einer Ananas menschliche Schicksale in Costa Rica, die der deutsche Konsument vermutlich nich einmal erahnen würde.

„Meine ganz utopische Vorstellung ist die, dass Menschen so leben können, dass sie keiner wegen ihrer sexuellen Orientierung, wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Träume und Wünche diskriminiert.“

Podcast-Folge mit Jule anhören

Knapp eine Million Menschen kamen am Weltfrauentag in Chile zum friedlichen Protest zusammen, um für ihre Rechte einzustehen.

Fotos: Julia Gießler

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