Corona & Kommunikation

Ich habe heute feierlich meine Geburtstagswoche eingeleutet. Noch ein paar Tage und dann erreicht mich zum dritten Mal die Null. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, dieses doch irgendwie besondere Ereignis in Corona-Zeiten zu erleben. Aber ich bin ja auch immer wieder auf der Suche nach den etwas ausgefallenen Momenten. Vergessen werde ich diesen Geburtstag daher auf jeden Fall nicht.

Wenn ich darüber nachdenke, dass ich an diesem Tag zur Eindämmung meiner Kontakte mehr oder weniger gezwungen bin, fühlt es sich merkwürdig an. Ich habe meinen Geburtstag nie wirklich gefeiert, doch ein fader Beigeschmack bleibt. Ich kann es kaum glauben, aber die Umarmungen mit den Menschen, die mir wichtig sind, werde ich sehr vermissen. Die Körpersprache ist und bleibt ein essentielles Instrument der Kommunikation. Studien belegen, dass 55 Prozent der Kommunikation genau darüber reflektiert werden. Diese Bausteine tragen dazu bei, Situationen der Zwischenmenschlichkeit einschätzen zu können. In den letzten Wochen war ich durch das Homeoffice dazu gezwungen diesen Bereich der Kommunikation fast komplett auszublenden und all meine Reflexionen auf die Stimme zu lenken – zu lauschen wie sie klingt. Ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen, dass durch Videokonferenzen nur bedingt erleichtert wird.

Corona fordert uns in vielerlei Hinsicht heraus. Doch die Einschränkungen der Interaktionen untereinander sind aus meiner Sicht die größten Stolpersteine. Umso mehr freute ich mich, heute wieder einmal meine Füße in das Büro setzen zu können – unter Berücksichtigung der Hygieneregeln inklusive Abstand natürlich und mit einer sehr begrenzten Anzahl an Kollegen. Trotzdem war es für mich ein kleines Fest der Emotionen. Eine Mischung aus Freude und Optimismus machte sich breit. Getragen wurde der Tag aber auch von der Vorsicht und einer gewissen Furcht vor den nach wie vor etwas unklaren Risiken. Mit den diversen Lockerungen befinden wir uns derzeit in einem Status, der vielleicht zu vorschnell das „alte“ Leben zurückholt. Ich gebe zu, die Angst vor dem Jojoeffekt kann ich nach wie vor nicht richtig bändigen.

Als ich heute die Gespräche mit dem ein oder anderen Kollegen führte, erkannte ich mehr denn je die besondere Rolle gegenseitiger Körpresprache. Sei es die Zugewandtheit im Gespräch, die Art zu sitzen oder den Kopf zu halten. Ich grenzte beinah an der Überforderung das alles wieder aufzunehmen. Nichtsdestotrotz dachte ich dabei daran, wie Hunde ihre Besitzer fixieren, wenn diese lautlose Kommandos geben: Sie beobachten ganz genau und reagieren dann, weil sie erkennen, was zu tun ist bzw. was Herrchen oder Frauchen von ihnen will. Vielleicht sind wir Menschen dahingehend ähnlich, aber viel komplexer gestrickt. Wir setzen nicht einfach etwas um, weil wir ein Zeichen sehen. Wir nehmen Gesichtszüge und andere Reize auf, sammeln sie, interpretieren sie, ziehen anschließend unsere Schlüsse und reagieren. Alles Faktoren, die über die digitalen Kommunikationsverbindungen nur schwer umsetzbar sind. Auf die man im Zweifel auch weniger stark achten kann, weil die Konzentration voll auf die Stimme gelegt wird. Diese muss im Zweifel eindeutig klingen, sonst wird Verwirrung gestiftet. Ich selbst bin zum Beispiel total schlecht darin Ironie stimmlich deutlich nach vorn zu bringen. Man nimmt mich dabei oft ernst. Suboptimal für potentielle Erheiterungs-Versuche im Team-Meeting.

Ich bin davon überzeugt, dass für das Teamgefüge eine gewisse, ich nenne es mal „Nähe“, notwendig ist. Man muss den Menschen in seiner Ganzheit betrachten können, um zu erkennen, in welcher Verfassung er ist. Allerdings muss man die Körpersprache auch zu deuten wissen. In Verbindung mit der Sprache entsteht schließlich ein Gesamtbild. Ich habe versucht mich selbst heute ein wenig besser wahrzunehmen und stellte fest, dass ich beim Sprechen mehr lächelte und in meiner Körperhaltung offener war, als ich es in den Videokonferenzen vielleicht bin. Denn ich wusste, dass meine Aussagen beim Empfänger auch wirklich ankamen. Ich sah dessen Zugewandtheit, dessen neugierige Augen. Beim Team-Meeting mit mehr als vier Personen per Video ist es schwer dies zu erkennen oder andersherum auch deutlich zu machen. Man spürt immer noch die Maschine dazwischen und distanziert sich. Ich frage mich, ob das etwas ist, was wir in den nächsten Wochen noch mehr lernen können. Ob wir bei digitalen Terminen mehr Interaktion über Gesicht und Stimme erzeugen können. Wichtig wäre jedoch vorerst das Bewusstsein, das wir derzeit einfach anders kommunizieren müssen und das Gespräche dadurch nicht unbedingt genauso ablaufen oder strukturiert sein können, wie beim gemeinsamen Treffen im Konferenzraum. Dann kann man fehlende Körpersprachen möglicherweise durch den Inhalt der Aussagen oder deren Art und Weise ein wenig ausgleichen. Wie die Hunde die Aktionen ihrer Besitzer lernen, können wir sicher auch den neuen Umgang mit unseren Kollegen lernen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s